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So macht die Musik, dass das Bäuchlein brummt

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Fotos: Dagmar Schweickert

So macht die Musik, dass das Bäuchlein brummt

Hennermanns Horde begeisterte die Kinder mit „miniMax“

Katzenelnbogen, 24. Juli 2021

Die Stadthalle Katzenelnbogen war am Samstag erfüllt von Musik, Kinderlachen und sehr viel guter Laune: Lange ersehnt und wegen der Pandemie mehrmals verschoben war es nun endlich soweit: Hennermanns Horde sorgte für ordentlichen Wirbel bei den ab zweijährigen Kultur-Fans – und das bei gleich zwei Aufführungen an nur einem Tag.

Die Tänzer Katharina Wiedenhofer und Albi Gika mit Gregor Praml am Kontrabass schufen dabei mit ihrem Tanzstück „miniMax“ im Handumdrehen eine Welt der Gegensätze für die Jungen und Mädchen. Die hatten sich auf Turnmatten versammelt, staunten, lauschten und machten begeistert mit, als die fröhliche Künstlergruppe sie auf Augenhöhe und spielerisch einbezog in das Tanzstück, das im Rahmen des Kulturprogramms Dialog Aar-Einrich präsentiert wurde.

Katharina Wiedenhofer, ausgebildete Tänzerin, stellte mit B-Boy (Breakdancer) Albi Gika verschiedene Tanzbilder dar: Konkurrenz und Wettkämpfe, aber auch das Zusammentreffen von Gemeinsamkeiten. Dazu zupfte, klopfte und strich Gregor Praml auf dem Kontrabass, verfremdete die Melodien mit einem Looper oder spielte ganz pur. Die Kinder erleben dabei hautnah, wie Musik entsteht, und was sie mit einem macht: wie sie im Bäuchlein vibriert und das Spiel der Tänzer begleitet, sich einmischt oder den Ton angibt.

Ob Groß oder klein, laut oder leise, Aktion und Stillstand – all das erforschten die drei Erwachsenen tänzerisch und musikalisch mit den begeisterten Kindern. miniMAX nahm die kleinen Kulturfans mit auf eine Reise in die Welt der Töne und Bewegungen. Ob Hinkelkästchen oder Seiltanzen: Alle, die dabei waren, hatten richtig viel Spßa und freuten sich über wie willkommene Abwechslung.

„Es hat richtig Spaß gemacht, diese Lebensfreude live mitzuerleben“, meinte der künstlerische Leiter des Dialogs Aar-Einrich Matthais Frey anschließend, nachdem er auch die letzten kleinen Gäste strahlend verabschiedet hatte.

Gefördert wurde die Veranstaltung durch die LEADER AG Lahn-Taunus, von der Europäischen Union (ELER-Mittel) und dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz.

Manche Skier sind eine Bank – und alten Telefonen geht hier ein Licht auf

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Fotos: Dagmar Schweickert

Manche Skier sind eine Bank – und alten Telefonen geht hier ein Licht auf

Grenzenlose Kreativität: Upcycling-Ausstellung „Aus Alt mach Toll“ kam hervorragend an

Katzenelnbogen, 10–11. Juli 2021

Eine Bank aus alten Skiern, ein Tisch aus VHS-Cassetten, Kunst aus Korken, Frankenstein aus Pappmaché, Lampen aus historischen Telefonen, Handtaschen aus Schallplatten: Der Einfallsreichtum mit dem Ziel, alten Dingen neues Leben einzuhauchen, war schier grenzenlos. So kreative Ideen, ganz viel Fantasie, handwerkliches Geschick und Liebe zum Detail – die BesucherInnen waren begeistert und suchten gern das Gespräch mit den AustellerInnen an den Ständen, die kommunikativ und um keine Antwort verlegen waren sowie viele hilfreiche Tipps gaben. Gern berichteten sie über den Sinn des Repair-Cafés, das Mehrgenerationenhaus, Möglichkeiten, Lebensmittel zu retten oder aus alten Verpackungen praktische Aufbewahrungsdosen zu machen. Bei der ersten Upcycling-Ausstellung der Verbandsgemeinde Aar-Einrich standen Nachhaltigkeit, Umweltschutz, regenerative Energien und Wiederverwertung im Vordergrund. Die Organisatoren hofften im Vorfeld, dass viele Menschen in der Region richtig kreativ werden für ein aktives Statement gegen die Wegwerfgesellschaft.

Stefanie Schäfer aus Armsheim erklärte, wie sie aus alten Spirituosen, Wein- und anderen Flaschen im 800 Grad heißen Ofen das Material für flache Uhren herstellte. Auch Obstschalen und andere Utensilien entstehen so, anstatt das Altglas in Containern zu entsorgen.

Volker Karnstedt, der sein Arbeitsleben lang bei der Post bzw. Telekom gearbeitet hatte, kann die Finger bis heute nicht von Telefonen lassen. Er verwandelt richtig alte Telefone, die sonst gern nur dekorativ auf Fenstersimsen stehen, mit viel handwerklichem Geschick in Tischlampen: Durch Kupferrohr im ehemaligen Kabel „schweben“ die Hörer in der Luft und verbreiten von der Lauschmuschel, die zur Leuchtmittelhalterung umgebaut wurde, heimeliges Licht.

Auch „Opa Schmidt“, der eigentlich als Cicerone im Limekastell Pohl aktiv ist, präsentierte, was aus Liebe zu den Enkeln und Liebe zum Upcyceln alles entstehen kann. „Weil ich so oft für meine Enkel was repariert habe, entstand meine Idee, das Ganze ,Opa macht ganz‘ zu nennen“, berichtete er. Aus Pappmaché entstehen bei ihm Figuren mit umwerfendem Gesichtsausdruck, Körperhaltung, und aus den Pappmaché-Resten dann einfach Geschenkanhänger „anstelle der üblichen Schleifen“, wie der sympathische Herr erzählte.

Die Besucherinnen und Besucher genossen es, sich umzuschauen, Anregungen zu holen, das ein oder andere Unikat zu kaufen oder auch der Musik zu lauschen, denn: Untermalt wurde die Veranstaltung von ganz unterschiedlichen MusikerInnen, die sich auf der offenen Bühne und somit „Mitten unter uns“ präsentierten. Diese Aktion ist gleichzeitig ein weiteres Angebot, das durch das Kulturprogramm Dialog Aar-Einrich entstand, bisher aber coronabedingt immer wieder verschoben werden musste

Matthias Frey und Marina Wolf, die beiden OrganisatorInnen waren begeistert von der Resonanz auf die erste Upcycling-Ausstellung, die in zwei Jahren erneut stattfinden soll.

Gefördert wurde die Veranstaltung durch die LEADER AG Lahn-Taunus, von der Europäischen Union (ELER-Mittel) und dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz.

Intelligenter Zynismus: Darum wurde die Echse nie Papst und verkleidet Gurken nicht als Schwein

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Michael Hatzius und die Echse überzeugten in der Stadthalle

Katzenelnbogen, 19. Juni 2021

Mit einem prominenten Puppenspieler startete das Kulturprogramm Dialog Aar-Einrich endlich in die Bühnensaison 2021: Michael Hatzius kam samt Echse und einigen andere puppigen Freunden in die Stadthalle Katzenelnbogen. Sein Programm „Echsoterik“ bot dem Publikum zynischen Humor, spitzzüngigen Wortwitz und natürlich Puppentheater vom Feinsten. „Die Echse“, das weise, grummelige Reptil, das die Evolution nach eigener Aussage hautnah miterlebt hat, ist – nicht nur – durch viele Fernsehauftritte bekannt für seine unangepassten und oftmals so gar nicht zeitgemäßen Ansichten und Lebensweisheiten.

Bevor die Echsoterik zum Zuge kam, hieß der künstlerische Leiter des Dialogs Aar-Einrich Matthias Frey die Gäste willkommen, die sich – natürlich mit Abstand und Hygienekonzept – riesig freuten, dass das Programm nach mehrmaliger coronabedingter Absage nun stattfinden konnte.

Als „Aufwärmer“ sorgten die Schweine Steffi – ziemlich grob und uncharmant – und Thorsten – zum Verlieben unsicher und überdreht – für Stimmung. Das Publikum machte dankbar mit, sang, klatschte, schnalzte mit den ungleichen Ringelschwanzträgern um die Wette und bereitete so den Boden für den Haupt-Act: Michael Hatzius erweckte seine Echse gewohnt souverän und so überzeugend zum Leben, dass man ihn, obwohl stets zu sehen hervorragend ausblenden konnte. Die Illusion des rotzfrechen, fatalistisch meckernden Reptils gelang vom ersten Moment an perfekt.

Natürlich wurde Katzenelnbogen dabei ebenso durch den Kakao gezogen – „immerhin: Ihr habt hier eine Straße und die kann man auf beiden Seiten hoch- und wieder runtergehen“ wie die Zuschauer, die die Echse schnodderig-sympathisch und häufig einbezog: „Aus Mittelfischbach kommst du? Muss ja ein sehr bedeutender Ort sein, wenn Ihr Euch gedacht habt, dass man den einfach mal dreiteilen kann.“

Dialekte wurden verbal zerbröselt: „Der Schwabe hat eine Konsonantenbehinderung – geht da bei den Püppis was, wenn einer sagt ‚isch hab Luschd‘?“, regionale Ausdrücke wurden überzeugend falsch analysiert: „Eeeebsch, ja, das wird wohl eine Ebene sein, die schräg ist – daraus wird dann eeeebsch. Ist doch logisch!“

Vegetarismus lehnte das großmäulige Reptil aus evolutionärer Ernährungserfahrung ab: „Wir verkleiden eine Gurke nicht als Schwein!“, ebenso wie das Angebot, Papst zu werden: „Warum sollte ich mein eigener Stellvertreter sein?“

Die Zuschauerinnen und Zuschauer waren begeistert: Endlich hatten sie mal wieder einen Abend lang die Gelegenheit, sich entführen zu lassen in eine Welt der Illusion – und das keineswegs „albern und konzeptlos“, wie die Echse höchstpersönlich die Idee des Puppentheaters nannte. Der ausgezeichnete Puppenspieler Michael Hatzius beschenkte das Publikum an diesem Abend mit viel mehr als nur ein wenig Unterhaltung: Er sorgte für das Gefühl von Normalität, ließ die Menschen emotional durchatmen und pustete ihre Seelen mit Ironie, intelligentem Witz und einer gelungenen Gratwanderung zur politischen Unkorrektheit gehörig durch. Die angekündigte „humorvollen Audienz mit offenem Herzen und großer Klappe voller echsquisiter Improvisationen“ war eine durch und durch gelungene Rückkehr in das kulturelle Leben mit dem Dialog Aar-Einrich.

Gefördert wurde die Veranstaltung durch die LEADER AG Lahn-Taunus, von der Europäischen Union (ELER-Mittel) und dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz.

Weltenfrauen – im Gewand der Vielfalt

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SWR Aktuell Rheinland-Pfalz

Sendung vom Sonntag 7. März 2021 19:45 Uhr
SWR Aktuell Rheinland-Pfalz, SWR Fernsehen RP

Weltenfrauen – im Gewand der Vielfalt

VG Aar-Einrich, 8. Mai 2021.

Kunst kommt zu den Menschen: Berührende Frauenportraits führen Kultur, Selbstverständnis und Stärke vor Augen

Endlich wieder Kunst, Kultur und zumindest ein paar Menschen! Auch wenn die Vernissage der Fotoausstellung „Weltenfrauen“ unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden musste, hat sie doch schon am ersten Tag für viel Bewunderung und Aufsehen gesorgt: In der Glasfront des Dorfgemeinschaftshauses Hahnstätten waren die faszinierenden Portraits der Freiburger Fotokünstlerin Ellen Schmauss zu sehen und lockten bei herrlichem Frühlingswetter bereits die ein oder anderen Schaulustigen auf den Vorplatz, während im DGH mit gebührendem Abstand eine kleine Vernissage  zur faszinierenden Fotoausstellung „Weltenfrauen – Im Gewand der Vielfalt“ stattfand.

Die Fotokünstlerin Ellen Schmauss berichtete, dass die Begegnung mit der indisch-deutschen Tänzerin Shany Mathew vor zwölf Jahren Auslöser war für die Ausstellung, die seit einem Jahr „auf Tournee“ ist – auch wenn natürlich die Pandemie hier einiges durcheinandergewirbelt hat. Shany Mathew war nun auch in Hahnstätten zu Gast. Sie nahm die Gäste durch ihre ruhige, beeindruckende Vorstellung von Gesten, Mimik und spannenden Einblicken in die Hintergründe des indischen Tempeltanzes mit auf eine faszinierende Reise in die indische Kultur, die sie selbst – geboren und aufgewachsen in Heidelberg – erst im jungen Erwachsenenalter und sehr bewusst kennengelernt hat. Ihre tänzerische Darbietung übertrug die Theorie anschließend auf umwerfende Weise in die Praxis.

Damit verkörperte Shany Mathew genau das, was der Antrieb für die Fotoausstellung ist: Frauen unterschiedlichster Herkunft präsentieren sich nicht nur äußerlich in ihrer landestypischen Tracht, sondern setzen sich in begleitenden Texten mit ihren Wurzeln und ihrem Selbstverständnis vor dem Hintergrund der interkulturellen Identität auseinander.

In kurzen Ansprachen führten die Gleichstellungsbeauftragte des Rhein-Lahn-Kreises Dorothee Milles-Ostermann und die Gleichstellungsbeauftragte der VG Aar-Einrich Doris Weyand in die Ausstellung ein. Landrat Frank Puchtler freute sich ebenso wie VG-Bürgermeister Harald Gemmer, der Hahnstätter Bürgermeister Joachim Egert und die Kulturmanagerin des Zweckverbands Oberes Mittelrheintal Sarah Piller darüber, dass die Ausstellung pünktlich zum Weltfrauentag in der VG Aar-Einrich beginnt und auf ihre Weise auf die noch immer oft benachteiligte Lebenssituation und -perspektive der Frauen weltweit aufmerksam macht.

Matthias Frey, der künstlerische Leiter des Dialogs Aar-Einrich, der die Ausstellung im Rahmen des Kulturprogramms in die VG geholt hat, betonte, wie wichtig es ist, dass man so zur Wertschätzung aller Kulturen beitragen wolle.

Die 90 bemerkenswerten Fotografien, mit denen sich Ellen Schmauss mit respektvollem Augenmerk auf Frauen der bunten kulturellen Vielfalt unserer Gesellschaft widmet, sind bis 6. April in vielen Schaufenstern von Unternehmen, Behörden und Läden im gesamten VG-Gebiet zu sehen. Anschließend sollen sie verteilt auf den gesamten Rhein-Lahn-Kreis ausgestellt werden. Interessierte Unternehmen oder anderen Institutionen, die Schaufenster bestücken möchten, können sich gerne melden unter: Matthias Frey

Ausstellungskatalog: der ausführliche und reich bebilderte Ausstellungskatalog zur Ausstellung „Weltenfrauen“ ist in den beiden VG Aar-Einrich Verwaltungsstellen in Katzenelnbogen und Hahnstätten für 15.- € zu erwerben.

Die Ausstellung ist eine Veranstaltung des Dialog Aar-Einrich. Gefördert wird sie über die LEADER AG Lahn-Taunus, von der Europäischen Union (ELER-Mittel) und dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz.

Verlegung von STOLPERSTEINEN

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Gegen das Vergessen: Erschütternde Schicksale lassen den Atem stocken

VG Aar-Einrich, 27. Oktober 2020.

15 Stolpersteine in der Verbandsgemeinde Aar-Einrich verlegt

Beklemmend und berührend war diese Aktion: 15 Stolpersteine wurden zur Erinnerung an NS-Opfer aus der Region der Verbandsgemeinde Aar-Einrich verlegt – das hieß für den Künstler Gunter Demnig, 15-mal ein passendes Loch zu graben, 15-mal einen goldglänzenden Stolperstein zum Gedenken an ein besonderes, erschütterndes Schicksal eines Menschen in der Hand zu halten, letzte Kanten abzuschleifen, um den Stolperstein passend zu machen und dann im Boden zu verankern. Das alles verrichtete Demnig immer wieder routiniert, ruhig, in sich versunken, während im Halbkreis Frauen und Männer um ihn standen, die an den Menschen erinnerten, dessen Name in den Stein graviert ist. Samt Geburtsdatum und dem Datum seines gewaltsamen Todes.

Die Stolpersteine sind dabei kein wörtliches Hindernis beim Gehen, niemand wird körperlich über sie stolpern. Doch die kargen Daten, die die Steine enthalten, lassen den Atem stocken. Jeder Stein ist vor dem jeweils letzten frei gewählten Wohnort dieser 15 Menschen platziert, die in der Region der heutigen Verbandsgemeinde Aar-Einrich gelebt haben – in den Ortsgemeinden Kördorf, Herold, Katzenelnbogen, Allendorf und Flacht. Jeder Stein steht für  einen Menschen, der vom NS-Regime verfolgt, gequält und ermordet wurde.

Die Stolpersteine erinnern dabei an die Schicksale von jüdischen Bürgern und die Ermordung von Menschen mit körperlichen und seelischen Behinderungen während der NS-Diktatur. Um diese Menschen noch einmal möglichst lebendig ins Gedächtnis zu rufen, lasen Mitglieder des Arbeitskreises Stolpersteine der VG Aar-Einrich Erinnerungen an die Vita der ermordeten Menschen vor.

So wie die von Frieda Weber, einem fröhlichen Kind, das 1914 auf die Welt kam, mit seinen Eltern in Herold auf dem Bauernhof aufwuchs. Ein Mädchen, das nach dem Tod der Mutter 1929 in die damalige Heilanstalt Scheuern kam, zunächst wenig Kontakt fand und so gern mit ihrem Teddy spielte. Ein Mädchen, bei dem „mongoloide Idiotie“ festgestellt wurde, bei dem aus Sicht der Ärzte „keine Aussicht auf Besserung oder Heilung“ stand. Aus dem  Mädchen wurde eine junge Frau wurde, die sich freute, wenn sie ihre Jacke anziehen durfte, weil sie wusste, dass dann der ebenfalls erkrankte Vater zu Besuch kam, der ihr heimlich ein wenig Essen zusteckte. Über diese junge Frau, die nicht gefördert wurde, gab es über die Jahre in den Unterlagen der Anstalt immer weniger Einträge. Frieda Weber wurde schließlich als „unwertes Leben“ und „unnützer Esser“ eingestuft und am 21. April 1941 abgeholt. Sie wurde nach Hadamar transportiert und kam dort noch am selben Tag in die Gaskammer, wo sie ermordet wurde.

Die Besucher der Stolpersteinverlegungen waren bei jeder dieser Erinnerungen erschüttert – erst recht, wenn dann noch ein Bild gezeigt wurde, das, wie bei Frieda Weber das fröhliche Gesicht eines glücklichen Mädchens zeigte.

„Es ist so wichtig, dass wir diese Schicksale und diese Verbrechen niemals vergessen“, so die einhellige Meinung der Teilnehmer, zu denen natürlich in jedem Ort Bürgermeister, Vertreter der Verbandsgemeinde und des Arbeitskreises Stolpersteine der VG Aar-Einrich sowie zahlreiche Bürger gehörten, die den ermordeten ehemaligen Mitbürgern mit Blumen auf dem Stolperstein die letzte Ehre erwiesen.

Die Verlegung eines Stolpersteins kostet 120 Euro für Vorbereitung, Material, Fertigung und Versand. Die Steine werden vom Berliner Bildhauer Michael Friedrichs-Friedlaender (Berlin) in Handarbeit angefertigt. Der Arbeitskreis Stolpersteine der Verbandsgemeinde Aar-Einrich finanziert die Stolpersteine und ihre Verlegung durch Spenden.  Privatpersonen, Institutionen, Firmen, Vereine oder Parteien können Patenschaften übernehmen. Spenden sind möglich auf eines der Konten der VG Aar-Einrich unter dem Stichwort „STOLPERSTEINE“:

Nassauische Sparkasse IBAN: DE76 5105 0015 0604 0147 00,
Volksbank Rhein-Lahn-Limburg eG, IBAN: DE07 5709 2800 0206 8997 00,
Postbank Frankfurt, IBAN: DE03 5001 0060 0337 2506 00.

„In Auschwitz gab es keine Vögel“

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Gnadenlos gespenstisch: „In Auschwitz gab es keine Vögel“

Evangelische Kirche Klingelbach/VG Aar-Einrich, 24. Oktober 2020.

Berührende Konzert-Lesung mit Monika Held und Gregor Praml
Ein Abend voller Gänsehaut: Sie begann mit der Lesung und dem Originalton des Protagonisten Hermann Reineck aus dem Buch von Monika Held „Der Schrecken verliert sich vor Ort“, und wich nicht mehr, bis der letzte Ton verklungen war: „In Auschwitz gab es keine Vögel. Ich weiß nicht, was die Vögel aus Auschwitz vertrieben hat. Vögel gibt es überall, ich habe genau aufgepasst und hingehört, es war dort gespenstisch ruhig.“ Die Besucher in der Kirche waren ergriffen von der  Lesung aus dem Buch von Monika Held, die mit ihrer Geschichte Erlebtes und Erlittenes weitergeben will: „… gegen die Grenzen der Vorstellungskraft und verbunden mit der Absicht, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in unserem Land zu bekämpfen.“

Der Kontrabassist Gregor Praml und die Autorin Monika Held erzählen diese Geschichte gemeinsam: Praml kreiert mit seinem Instrument einen Klangkosmos zum Thema „Erinnern, um nicht zu vergessen“: Der Bass groovt, singt und klagt und seine Klanglandschaften klingen nach einem ganzen Orchester. Durch die Konzertlesung ziehen sich die sehr persönlichen und berührenden O-Töne des Zeitzeugen, aus dessen Überlebensgeschichte der Roman entstand. Eine besondere Idee des   Filmkomponisten und Weltmusikers Matthias Frey, der auch künstlerischer Leiter des Kulturprogramms Dialog Aar-Einrich ist, im Vorfeld auf die Stolperstein-Verlegung in der Verbandsgemeinde Aar-Einrich hinzuweisen. Der Arbeitskreis Stolpersteine stellte die Veranstaltung vor und verlas dazu mehrere Biografien von Menschen aus der Region, die während des NS-Regimes ermordet wurden.

Gefördert wurde die Konzert-Lesung im Rahmen des Kulturprogramms Dialog Aar-Einrich durch die LEADER AG Lahn-Taunus, von der Europäischen Union (ELER-Mittel) und dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz.

Monika Held und Gregor Praml haben ein besonderes Angebot für Schulen entwickelt:

Wegen der Corona-Pandemie mussten viele Veranstaltungen abgesagt werden. Darum haben Held und Praml mit dem Filmemacher Mathias Hundt eine filmische Umsetzung der Konzert-Lesung produziert. Der Film folgt der Ursprungsidee, eine Lesung mit Live-Musik zu verknüpfen, die nicht nur Begleiter, sondern selbst zum Erzähler wird. Hundt arbeitet mit nur einer Kamera, die den Zuschauer durch die Geschichte führt. Sie ermöglicht es, nah bei den Protagonisten zu sein. Der Film wird kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Künstler vergeben ein Passwort. Kontakt: Gregor Praml: info@gregorpraml.de 0171–4535321

Weitere Informationen zur Konzertlesung

Link zum Trailer des Films „In Auschwitz gab es keine Vögel“

Autorin Monika Held und der Kontrabassist Gregor Praml sind selbst zu Erzählenden geworden, um das Vergessen der NS-Gräueltaten zu verhindern. Foto: Uschi Weidner

Black Pirate Poetry – Leinwandlyrik mit Ralph Turnheim

Black Pirate Poetry – Leinwandlyrik mit Ralph Turnheim

Zollhaus/VG Aar-Einrich, 9. Oktober 2020.

Knurren, Säbelklirren und dramatisches Seufzen in historischer Vollendung

Sollten Stummfilme eine Stimme bekommen? Wenn es die von Ralph Turnheim ist, dann auf jeden Fall! Der Schauspieler erweckte den ersten farbigen Piratenfilm der Welt auf unvergleichlich witzige Weise zu ganz neuem Leben. Mit seiner „Leinwand-Lyrik“ begeisterte der Schauspieler nun das Publikum im Kinosaal des Kreml-Kulturhauses in Zollhaus.

Das Publikum war handverlesen, denn die Veranstaltung fand witterungsbedingt nicht open air statt –  und im Kinosaal dürfen momentan nur wenige Zuschauer Platz nehmen. Die jedoch hatten eine Mordsgaudi bei ihrer recht exklusiven Vorstellung. Ralph Turnheim, ausgebildeter Schauspieler und virtuoser Sprechkünstler, begeisterte sie mit seiner „Black Pirate Poetry“, einer Veranstaltung des Kulturprogramms Dialog Aar-Einrich die in Kooperation mit dem Kreml Kulturhaus stattfand. Turnheim stellte zunächst die Produktionsumstände des Films „black pirate“ und die damals einzigartige Technik der Colorierung mit all ihren Tücken und Finessen vor – professionell, leicht verständlich und sehr informativ.

Dann ging es ans Eingemachte – Licht aus, Stummfilm an, plus Stimme aus der Dunkelheit. Der „wohl einzige professionelle Stummfilmerzähler im deutschen Sprachraum“, wie Turnheim selber sagt, gab den Rollen durch seine unvergleichliche Simultansynchronisierung feinst geschliffene Charaktere. Live, lyrisch und mit charmantem wienerischen Unterton hatte er die Zuschauer und -hörer schnell in seinen Bann gezogen. Da war der französische, hinterlistige Pierre, der stolze Fürst, das verhuschte Prinzesschen und viele mehr. Jede Rolle bekam eine eigene Stimme, eigenen Dialekt und Stimmfarbe. Turnheim hatte kaum Zeit, Luft zu holen, denn auch Hintergrundgeräusche, das Knurren der Piratenmeute, das Paffen des knorrigen Alten und selbst die Töne des erbitterten Säbelkampfes erschuf er allein mit seinen Stimmbändern.

90 Minuten sprach, seufzte und rasselte Turnheim durch den Film und hatte – dann endlich nach einem kräftigen Schluck aus der Wasserflasche – noch viel Freude am Publikum: Das verwöhnte ihn nicht nur mit sehr lang anhaltendem Applaus und Jubel, sondern stellte viele Fragen rund um die besondere Kunst des Stummfilmerzählens.

Einen Tag braucht er für eine Minute Text, verriet er. Das Erzählen, die Stimmvielfalt und Atemtechnik habe er durch seine Schauspielausbildung verinnerlicht. Die Zuschauer waren begeistert. „Schade, dass man sich die vielen tollen Reime nicht merken konnte“, meinte einer von ihnen. Eine philosophische Weisheit aus einem besonders dramatischen Moment habe er sich jedoch mitgenommen: „Dein Leben ganz beschissen läuft – wenn Dein Retter grad ersäuft!“

Gefördert wurde die zweistündige Veranstaltung im Rahmen des Kulturprogramms Dialog Aar-Einrich durch die LEADER AG Lahn-Taunus, von der Europäischen Union (ELER-Mittel) und dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz.

Douglas Fairbanks brilliert als eben jener im ersten Piratenfilm Hollywoods. Das Epos auf hoher See ist so aufwendig und dynamisch in Szene gesetzt, wie nur Fairbanks es konnte. Alle Piraten-Mythen, die seit Jahrhunderten die Fantasie der Menschen anstacheln, finden sich in diesem gigantischen Werk. 1926 waren Farbfilme unerforschtes Terrain, doch Fairbanks wagte das Abenteuer und produzierte den ersten in Farbe gedrehten Kinofilm Hollywoods. Das Publikum stürmte begeistert die Kinos. Anekdote am Rande: Einem Kinobesitzer waren die hohen Einnahmen regelrecht unangenehm – deswegen zahlte er Fairbanks zu den üblichen Tantiemen freiwillig eine zusätzliche Beteiligung aus.

Weitere Infos zu Ralph Turnheim gibt es unter: www.leinwand-lyrik.de

„Anders gedeutscht“ mit Markus Jeroch

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Fotos © Dagmar Schweickert

„Anders gedeutscht“ – mit Marcus Jeroch

Katzenelnbogen/VG Aar-Einrich, 3. Oktober 2020.

Grandioses Sprachabenteuer: Nudelholz als Eheretter und Glühwürmchensex im Birnbaum

Marcus Jeroch begeisterte in der Stadthalle – Großes Interesse an Roll-Up-Ausstellung

Der Abend mit dem Wortjongleur Marcus Jeroch hat das Publikum begeistert: Wegen der großen Nachfrage war der Abend mit dem begnadeten Entertainer vom Einrichmuseum kurzfristig in die Stadthalle Katzenelnbogen verlegt worden.

„So konnten wir die aktuellen Hygiene- und Abstandsregeln problemlos umsetzen“, betonte der Organisator und künstlerische Leiter des Kulturprogramms Dialog Aar-Einrich Matthias Frey. Er eröffnete den Kulturabend und freute sich darüber, dass es gelungen war, am Tag der deutschen Einheit neben dem Solokünstler auch eine sehr aktuelle Roll-Up-Ausstellung in der Stadthalle präsentieren zu können.

Die wurde von Dominic Schreiber im Namen des Regionalbüros Rheinland-Pfalz/Saarland der Friedrich-Ebert-Stiftung vorgestellt: Auf 16 Tafeln führt sie vor Augen, worin die Grundlagen unserer Demokratie bestehen und wie sehr Rechtsextremismus diese Demokratie und die Menschenrechte bedroht. Die Ausstellung informiert über verschiedenste Facetten des Rechtsextremismus und nimmt speziell Bezug zu Rheinland-Pfalz. Vor dem Bühnenprogramm und während der Pause nutzten die Gäste die Gelegenheit, die Roll-Ups und ihre tief berührenden Inhalte näher zu betrachten. In den kommenden Wochen werden die Exponate im gesamten Gebiet der VG Aar-Einrich verteilt zu sehen sein.

Im Mittelpunkt des Abends stand für die 80 Zuschauer dann aber natürlich das umwerfende Soloprogramm „Anders gedeutscht“, das der Berliner Künstler Marcus Jeroch passend zum Tag der deutschen Einheit und im Rahmen des Kulturprogramms Dialog Aar-Einrich zum Besten gab.

Mit einer gelungenen Mischung aus Akrobatik, Jonglage, Slapstick und schier unbeschreiblich virtuosem Wortwitz entführte Jeroch die Zuschauer aus dem tristen Herbstalltag. Die Gäste kamen kaum aus dem Staunen heraus, lachten Tränen oder lauschten fasziniert angesichts der dargebotenen Wortkunst. Worte, Texte und Bälle machte Marcus Jeroch zu seinen Spielzeugen. Er verformte sie, erschuf unerwartet Neues. Schachtelsätze und verrenkte Gliedmaßen sorgten für eine atemberaubend wilde Fahrt durch die Welt der Semantik und Sprachphilosophie. Da wurden Glühwürmchen zu Schöpfern der Glühbirnen, Nudelholz und Fahrradkette dienten dazu, eine Ehe zu retten und natürlich wäre es für alle viel besser vom „Geschlecht“ zum sprachlich viel freundlicheren „Ge-gut“ zu wechseln.

Wie der Verzicht auf einzelne Buchstaben zu grandios komischer Sprache führen kann und wie virtuos es ist, jeden Satz mit dem letzten Wort des vorherigen Satzes beginnen zu lassen: Das alles und noch viel mehr verwebte Marcus Jeroch zu einem Abend voller Esprit, Humor und Feingefühl. Das Publikum war begeistert und spendete langen Applaus für den Ausnahmekünstler aus Berlin.

Gefördert wird die Veranstaltung durch die LEADER AG Lahn-Taunus, von der Europäischen Union (ELER-Mittel) und dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz.

Roll-up Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“

Kurz bevor der Berliner Wortjongleur Marcus Jeroch die Besucher mit seinem Soloprogramm „Anders gedeutscht“ fasziniert, beginnt im Foyer  die Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung. Was sie vermittelt, geht ans Herz, macht nachdenklich und rüttelt auf: Auf 16 Tafeln zeigt die Ausstellung, worin die Grundlagen unserer Demokratie bestehen und wie sehr Rechtsextremismus genau diese Demokratie und die Menschenrechte bedroht. Die Ausstellung informiert über verschiedenste Facetten des Rechtsextremismus und nimmt dabei speziell Bezug zu Rheinland-Pfalz.

„Die Arbeit mit der Ausstellung ist auch eine gute Methode für Schulen, Institutionen und Initiativen, sich mit gesellschaftlichen Grundsatzfragen und aktuellen Entwicklungen auseinander zu setzen“, erklärt Matthias Frey, der künstlerische Leiter des Kulturprogramms Dialog Aar-Einrich dazu. Die Ausstellung wird am 3. Oktober in der Stadthalle Katzenelnbogen eröffnet und dort komplett präsentiert.  Anschließend werden die einzelnen Exponate in der gesamten Verbandsgemeinde Aar-Einrich verteilt und ausgestellt. Die Ausstellung kommt sozusagen zum Publikum.

Eine Ausstellung des Regionalbüros Rheinland-Pfalz und Saarland der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Gefördert wird die Veranstaltung durch die LEADER AG Lahn-Taunus, von der Europäischen Union (ELER-Mittel) und dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz.
Eröffnung der Ausstellung: am Samstag 3. Oktober 2020
Laufzeit: 3.–30. Oktober 2020

Weitere Infos zur Ausstellung finden Sie hier

Sunny Afternoon

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Fotos © Dagmar Schweickert

Sunny Afternoon

Bärbach/VG Aar-Einrich, 29. August 2020.

Großartige Bienen und Ukulelen: Weltuntergang verhindert und Menschen beglückt

Heiter und sehr beschwingt ging es zu beim SUNNY ATERNOON in Bärbach auf dem Apfelhof: Fröhliches Freilufttheater mit ernster Botschaft, fröhliche Ukulelen und glückliche Besucher machten auch diese Veranstaltung des Dialog Aar-Einrich zu einem wundervollen Erlebnis.

Offensichtlich hatten alle Beteiligten im Vorfeld ihre Teller brav leer gegessen, denn das Wetter war entgegen der Vorhersage traumhaft spätsommerlich. Im Sonnenschein nahmen die Besucher mit gebührenden Abstand Platz auf Stühlen oder der Wiese, in Hängematten oder auf Bänken und genossen zunächst die Weltpremiere von Bien & Blum: Daniela Daub und Beatrice Hutter kämpften als Theater-Duo „Summa Summarum“ gekonnt komisch ums nackte „ÜberLeben“ der Artenvielfalt. Poetisch, dramatisch und schräg trotzten sie als Bien und Blum mit Tuba, Akkordeon und viel Wasser dem Insektensterben. Mit pompösem Getöse und gekonntem Slapstick verhinderten sie den Untergang angesichts akuten Drohnenmangels und begeisterten die Apfelhofbesucher, die gar nicht mehr aufhören wollten, zu applaudieren.

Nach kurzer Pause, in der wieder die Kirmesgesellschaft mit überdimensionalen Hula-Hoop-Reifen humorvoll an die Abstandsregeln erinnerte, sorgten die begnadeten „The Stagies“ aus Wiesbaden unterstützt von den quicklebendigen Kurstadt Ukulelen für Glücksgefühle. International besetzt und mit echten Klassikern der vergangenen Jahrzehnte von „Stand by me“ bis „Biene Maja“ konnte nichts schiefgehen: Die Zuhörer waren einfach glücklich, wippten, klatschten und sangen bei der mitreißenden  Mischung aus Rock, Pop, Folk und Jazz  sofort mit.

Matthias Frey, der Organisator und künstlerische Leiter des Dialogs Aar-Einrich, freute sich unbeschreiblich: „Es war ein riesiges Vergnügen, diesen SUNNY AFTERNOON mit so vielen lebenslustigen und optimistischen Menschen zu erleben“, so sein Fazit nach fast drei Stunden voller Musik, Theater und Begegnung in guter Laune.

Der SUNNY AFTERNOON war eine Veranstaltung des Dialog Aar-Einrich. Gefördert wurde die Veranstaltung über die LEADER AG Lahn-Taunus, von der Europäischen Union (ELER-Mittel) und dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz.

Die STAGIES mit ihrem Programm „…kann Spuren von Ukulelen enthalten“ . Der Sound aus Ukulelen und klassischer Band: unvergleichlich und mitreißend und gerne auch zum Mitsingen. Das Repertoire sind Gute-Laune-Lieder aus mehreren Jahrzehnten. Von Van Morrison „Brown Eide Girl“ über „And I Love Her“ von den Beatles bis hin zu „You’ll Never Walk Alone“ von Garry & the Pacemakers.
Witziges Geschrammel zu bekannten Hits aus Folklore, Schlager, Pop und Rock. 10 berühmte und berüchtigte Musikanten auf der Bühne nehmen aber auch nix ernst und alle Hürden des Quintenzirkel und der Verhinderung aller Grammys in Kauf!

Zu den Kurstadt Ukulelen gehören Loti Pohl (Sänger der Wiesbadener Kapelle „Die Crackers“), Sheela Berigai (Sängerin mit indischen Wurzeln und Vokalistin bei „Sheela & The Parkers“), Porky Kronier (Vokalist unter anderem der „Nize Boyz“), Hella Schwenk, Uliana Shilovskaya, Manfred Brater-Tönnessen, und Teddy Vrbanc. Zum Ukulelen Orchester gesellt sich eine Band, die aus Gerd Vogel (u.a. Sunnyland Bluesband)/Gitarre, Andre Coluccelli /Drums + Percussion sowie Tom Bornemann /Bass besteht. Kapellen-Gründer ist Udo Parker, Musiklehrer an der „Stage Ahead Music School“ – daher auch der Name der Band.

Bien & Blum – Poetisch, dramatisch, schräg.

Das Leben ist paradiesisch. Blum verströmt dufte Melodien, Bien wirbel Blütenstaub auf und jongliert Pollen.

Die Überraschung ist perfekt, als die Arbeiterbiene pompös zur Königin gekrönt wird. Doch dann fällt der Hochzeitsflug aus, und der Untergang droht.
Mit unerschütterlichem Lebensmut aber trotzen Bien & Blum dem Insektensterben und stecken rundum vergnügt alle an.

Wo Bien & Blum auftauchen, zaubern sie ein Lächeln oder auch breites Grinsen auf die Gesichter der Passanten. Mit Akkordeon und Gießkanne, Pollenbällen und Tuba schwärmen sie aus und verwandeln Fußgängerzonen in komödiantische Blumenwiesen und wirbeln auch mal ordentlich Blütenstaub auf.

Art’n Vielfalt garantiert!

Beatrice Hutter ist Schauspielerin und Musikantin. Ihre Theaterausbildung machte sie an der Academia teatro Dimitri in Verscio (CH), war anschließend an verschiedenen Theaterhäusern beschäftigt und tourte fünf Jahre mit dem Zelttheater Chapiteau.
Mit ihren Solo-Theaterstücken ist sie deutschlandweit unterwegs, macht Regien, Theatermusik und Ausstattungen im Kleinkunstbereich und leitet soziokulturelle Projekte. www.beatricehutter.com

Daniela Daub ist Jongleurin, Komikerin und Poetin. Nach dem abgebrochen Physikstudium und der abgeschlossenen Ausbildung zur Tischlerin ging sie nach Paris auf die Ecole du Cirque Nationale Fratellini und studierte anschließend Theaterwissenschaft in Mainz.
Sie macht seit über zwanzig Jahren Straßentheater und Kleinkunst (bis 2018 mit dem duo farfalle) und zusammen mit der Stimmkünstlerin Silvia Sauer „Stimmjonglage“ : die Qsinen.

Die Laufmaschen

Kino-Varieté

Impressionen

Fotos © Dagmar Schweickert

Kino-Varieté

Zollhaus/Rhein-Lahn, 21. August 2020

Alte Zeiten zum Leben erweckt: Stummfilmabend verzaubert mit Musik und Akrobatik

Was für ein wundervoller Abend:  Ausverkauftes Haus gab es beim Kino-Varieté im Kreml Kulturhaus in Zollhaus. Stummfilme mit Livemusik, Wortakrobatik, Jonglage und berührende Blicke zurück in die Vergangenheit der Region begeisterten die Menschen, die am Wochenende den „Orientzauber auf dem Lande“ erlebten.

Das von Arte entwickelte und auf die Region zugeschnittene Projekt überzeugte mit seiner gelungenen künstlerischen Mischung.

Die Veranstaltung fand im Rahmen des Dialogs Aar-Einrich statt. Und so dankten  zur Begrüßung VG-Bürgermeister Harald Gemmer und der künstlerische Leiter Matthias Frey nicht nur Nina Goslar von der Filmredaktion ZDF/ARTE, die das Programm maßgeblich mitgestaltet hatte, sondern auch den Förderern, durch die diese besondere kulturelle Veranstaltung möglich wurde: Die Veranstaltung des Dialog Aar-Einrich wurde über die LEADER AG Lahn-Taunus, von der Europäischen Union (ELER-Mittel) und dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz gefördert. Landrat Frank Puchtler überreichte außerdem bei der Begrüßung im Namen der Wirtschaftsförderung Rhein-Lahn einen Zuschuss über 1000 Euro.

Pünktlich zum Abschluss der offiziellen Eröffnung hatte die Dämmerung eingesetzt und die vielen Zuschauer, die coronakonform und unter freiem Himmel im „Amphitheater“ Platz genommen hatten, ließen sich für Stunden verzaubern: Die  regionale „historische Wochenschau“ erinnerte an längst vergangene Zeiten in der Region Aar-Einrich: Vom Schlittenfahren über Feuerwehrfeste bis zum Heimatfest gab es einen außergewöhnlichen Bilderreigen zu bestaunen. Das Bildmaterial war zusammengestellt worden von Volker Satony, Werner Mohr sowie der Burgschwalbacher Firma „Design und Media“ und begeisterte die Zuschauer.

Auch der 1914 entstandene Film „ Lahntal, Bad Ems“ des Kamera-Pioniers Oskar Barnack sorgte für viele überraschende Einblicke: Die Mode, die Hüte, das unverbaute Ufer der Lahn – das Publikum kam aus dem Staunen angesichts der Impressionen des mondänen Kurorts vor über hundert Jahren kaum heraus. Zum Schmunzeln war anschließend der Kurzfilm „Der arabische Zauberer“ aus dem Jahr1906, der sich als origineller und amüsanter Werbespot für Kupferberg entpuppte.

Die Stars den Abends, die all diese sehenswerten Einzelstücke zu einem großen Genuss verbanden, waren dabei unbestritten der Moderator und die Musiker: der Berliner Jongleur und Wort-Akrobat Marcus Jeroch hatte das Publikum mit seinem Wortwitz und seiner Jonglagekunst im Handumdrehen um den Finger gewickelt. Die Livemusik sorgte stimmungsvoll, auf den Punkt und unvergleichlich virtuos für die passende Untermalung: Das Gramm Art Project mit Julian Gramm (Gitarre) und Thomas Bugert (Kontrabass) und Duo Cantabile mit Lilian Jacob (Violine) und Ursula Herrmann (Akkordeon) bereicherten die historischen  Kinoschätze auf grandiose Weise. So wurde schließlich auch der Hauptact des Abends, der 66minütige Silhouettenfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed” von Lotte Reiniger erst durch die Livemusik wahrhaft zum Leben erweckt – die Zuschauer waren beeindruckt von diesem – für damalige Zeiten –  technischen Meisterwerk, das sie eine Welt der Märchen und Sagen entführte und freuten sich, diese besondere Kulturveranstaltung miterlebt zu haben.

Der Silhouettenfilm “Die Abenteuer des Prinzen Achmed” von Lotte Reiniger feierte 1926 in Berlin Premiere und gilt als erster abendfüllender Animationsfilm.
Wenn man bedenkt, dass jede der agierenden Figuren in allen ihren Gelenken beweglich sein muss … so kann man sich eine Vorstellung da­von machen, welch ein Wunderwerk hier geleistet ist. Aber auf das Technische allein kommt es ja nicht an, die Hauptsache ist, dass der Geist des Märchens hier in der filmischen Bilderfolge aufs Glücklichste neu geboren ist und dass die Welt orientalischer Wunder… mit den Mitteln einer an türkischen und japanischen Vorbildern geschulten Silhouettenkunst neu geschaffen ist.” (Vorwärts vom 9.5.1926)

Der Wortakrobat: Marcus Jeroch (Berlin) – Sprache und Artistik.

Jonglierte Kisten verwirbeln Buchstaben, hin zum dramatischen Gedicht, fehlende Buchstaben verwandeln einen Text in Erinnerung, und kaum geschehen, bringt eine verwegene Performance mit Hula-Hoop-Reifen, Jojo und Pingpongbällen das Publikum zum Staunen.

Marcus Jeroch ist Akt und Moderator zugleich, ein Hasardeur der Sprache und Bewegung, ein Sinnjongleur – regelmäßig engagiert im Tigerpalast Frankfurt, im Hansatheater Hamburg oder im legendären Chamäleon-Varieté. Der Krystallpalast Leipzig zählt ebenso zu den Adressen seiner Varieté-Karriere wie das Apollo in Düsseldorf, das Palazzo in Freiburg und andere mehr. Daneben war und ist er auch in zirzensischen Ausnahmeprojekten wie bei „Gosh“ oder „Zirkus ohne Elefanten“: Hyyrä und Hyrrä Tytö! zu sehen.  Marcus Jeroch ist Varieté! https://marcusjeroch.de/variete

Das Gramm Art Project mit Julian Gramm (Gitarre) und Thomas Bugert (Kontrabass) kombiniert bei seinen Stummfilmkonzerten historische Kinofilme mit jazzig-avantgardistischer Klanggestaltung. Jedes Filmkonzert ist ein neues, einmaliges Erlebnis, bei dem Liebhaber des klassischen Lichtspiels ebenso auf ihre Kosten kommen wie Musikfans. Seit 2017 vertonen die beiden Profimusiker des Gramm Art Projects klassische Stummfilme, neben den  “Abenteuern des Prinzen Achmed” auch Filme von Friedrich Wilhelm Murnau. https://www.grammartproject.com/

Das Duo Cantabile ist nicht nur in seiner Besetzung mit Violine und Akkordeon in der Region außergewöhnlich. Lilian Jacob (Violine) stammt aus Rumänien und fand in Ursula Herrmann (Akkordeon) eine kongeniale Partnerin, mit der er aufgrund anfänglicher Sprachbarrieren ausschließlich über Musik kommunizierte. Aus diesem Dialog ist nun ein festes Duo entstanden, das neben Klassik auch Tangos und zahllose Evergreens im Repertoire hat.

Das gesamte Programm entstand in Zusammenarbeit von Dialog Aar-Einrich (Matthias Frey) mit der Filmredaktion von ZDF/ARTE in Mainz (Nina Goslar).